20 Uhr Stunde

Jodlergruppe

Jodeln in Afrika, Skandinavien und Panama

Im Hochgebirge, im tiefen Regenwald, in endlosen Steppen: Um weite Entfernungen zu überbrücken, war das Jodeln in vielen unwegsamen Regionen der Welt DAS Kommunikationsmittel. Mit verschiedensten Jodlern, also dem Gesang auf Silben ohne Wortbedeutung mit Wechsel von Kopf- und Bruststimme, hat das weltweit funktioniert. Heute ist der funktionale Aspekt des Jodelns größtenteils in den Hintergrund gerückt und durch moderne Technologie ersetzt worden. Doch die Kunst- und Kulturform, wie zum Beispiel gemeinsam Jodellieder zu singen, ist erhalten geblieben.

Jodeln im zentralafrikanischen Regenwald

Jodeln und das Alpenland – das gehört für viele eng zusammen. Aber nicht nur dort wird gejodelt, sondern auch im zentralafrikanischen Regenwald. Dort lebt die Gruppe der Pygmäen als Jäger und Sammler – und jodelt. Früher hatte das vor allem den Zweck wichtige Neuigkeiten zu verbreiten, wie bei der Jagd, zu Geburten, Hochzeiten oder Todesfällen. Obwohl auch die Pygmäen heute längst mit Walkie-Talkies auf die Jagd gehen, ist Jodeln als Kulturgut geblieben. Laut Experten kommt der Klang des zentralafrikanischen Yelli recht nah an das schweizerische Jodeln heran.

Jodeln im zentralafrikanischen Regenwald (1995)
Jodeln im zentralafrikanischen Regenwald (1995)

Joik – der Jodelgesang der Sámi

Die Sámi sind eine Bevölkerungsgruppe in Skandinavien, die in den nördlichen Teilen Finnlands, Schwedens, Norwegens und Russlands lebt. Obwohl das Gebiet der Sámi nie ein eigenständiger Staat war, haben sie einen eigenen Jodelgesang entwickelt: Joik. Genau wie im afrikanischen Regenwald ist das Jodeln der Sámi mittlerweile mehr Kulturform als Kommunikationsmittel. Joik ist sogar so populär geworden, dass es seit 1990 einen Sámi Grand Prix gibt. Er ist ein Pendant zum Eurovision Song Contest nur für Norwegen, Schweden und Finnland, bei dem Joik-Gruppen auftreten.

Sami Grand Prix 2012
Joik – der Jodelgesang der Sámi

Jodeln in Panama: Saloma y Gritadera

Es klingt wie ein schräges Jodeln in Kombination mit bellenden Aufschreien – das Saloma y Gritadera der Bauern in Panama. Diese Form des Jodelns soll es schon Ende des 15. Jahrhunderts gegeben haben. Alte Schriften aus der Zeit der Entdeckung Amerikas überliefern, dass dieser außergewöhnliche Singsang bereits den Eroberern beim ersten Kontakt zu den Ureinwohnern aufgefallen ist. Saloma y Gritadera hört man heute aber nicht mehr nur auf den Feldern und im Urwald Panamas. Wie die meisten Jodelarten ist es in die traditionelle Volksmusik des Landes eingearbeitet und ein wichtiger kultureller Bestandteil.

Jodeln in Panama: Saloma y Gritadera
Jodeln in Panama: Saloma y Gritadera

Blue Yodeling in den USA

Nicht nur in der alpenländischen Volksmusik hat das Jodeln einen hohen Stellenwert – auch in den USA war es ein wichtiger Teil der Country-Musik in den 1920er- und 30er-Jahren. Diese Form des Jodelns nennt sich Blue Yodeling und wurde vom amerikanischen Country-Sänger Jimmie Rogders 1927 entwickelt. Inspiriert wurde er von österreichischen und schweizerischen Künstlern, die zu dieser Zeit Auftritte in den USA hatten. Es entstand eine Musik mit Blues-Elementen, Old-Time-Music und typischen Jodlern.

 

Blue Yodeling in den USA
Blue Yodeling in den USA

Autorin: Claudia Gerauer